Hand eines Pflegekräfts auf einem Briefumschlag, im Hintergrund ein verschwommenes Teamgespräch

Führung · 09. Juli 2026

Wer die Falschen zu lange schützt, verliert die Richtigen

Von Marcel Magalhaes Mendes, LL.M.

Wer die Falschen zu lange schützt, verliert irgendwann die Richtigen. Das ist eine der unbequemsten Wahrheiten im Gesundheitswesen.

Wir sprechen viel über Fachkräftemangel. Zu Recht. Pflegekräfte fehlen, Ärzte fehlen, Rettungsdienstpersonal fehlt, Führungskräfte fehlen, Verwaltungskräfte fehlen. Aber manchmal verliert eine Organisation ihre guten Leute nicht, weil der Markt leer ist. Sondern weil intern zu lange zugesehen wird.

Wenn eine Person dauerhaft Stimmung zerstört. Wenn sie Konflikte produziert. Wenn sie Verantwortung ablehnt, aber Einfluss beansprucht. Wenn sie gute Mitarbeitende klein macht. Wenn sie Leistungsträger zermürbt. Wenn sie jedes Gespräch, jede Schicht und jedes Teamklima schwerer macht. Dann reicht es nicht, von Wertschätzung zu sprechen. Dann muss Führung handeln.

Denn gute Mitarbeitende beobachten sehr genau, wen eine Organisation schützt. Sie sehen, wer immer wieder auffällt und trotzdem bleibt. Sie sehen, wer Zusatzlast trägt. Sie sehen, wer Konflikte ausgleicht. Sie sehen, wer professionell bleibt, während andere Kultur und Leistung beschädigen.

Und irgendwann stellen sie sich eine stille Frage: 'Warum tue ich mir das eigentlich noch an?' Das ist der Moment, in dem Personalbindung scheitert. Nicht auf dem Papier. Nicht in der Stellenanzeige. Nicht in der Imagekampagne. Sondern im Alltag.

Personalbindung im Gesundheitswesen beginnt nicht mit Benefits. Sie beginnt mit Klarheit. Mit Führung. Mit Konsequenz. Mit Schutz für die Guten. Und mit der Bereitschaft, sich von Menschen zu trennen, die einem Team dauerhaft mehr schaden als helfen.

Auch wenn es unangenehm ist. Auch wenn es teuer wird. Auch wenn es kurzfristig Lücken reißt. Denn die teuerste Person ist oft nicht die mit dem höchsten Gehalt. Sondern die, wegen der drei gute Menschen innerlich kündigen.

Das Personalproblem im Gesundheitswesen ist deshalb nie nur ein Recruitingproblem. Es ist ein Führungs-, Kultur- und Konsequenzproblem. Und genau darüber sollten wir ehrlicher sprechen.

Marcel Magalhaes Mendes, LL.M.

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