
Führung · 14. Juli 2026
Die teuerste Stelle ist nicht die unbesetzte — sondern die falsch besetzte
Von Marcel Magalhaes Mendes, LL.M.
Die teuerste Stelle im Gesundheitswesen ist nicht immer die unbesetzte. Manchmal ist es die falsch besetzte.
Eine vakante Position sieht man sofort. Sie steht im Dienstplan, belastet das Team, erzeugt Lücken und kostet Geld. Eine falsch besetzte Schlüsselrolle wirkt dagegen oft leiser. Sie steht auf dem Papier als gelöst da: Stelle besetzt, Vertrag unterschrieben, Funktion benannt. Die Organisation kann sagen: 'Erledigt.' Und genau darin liegt die Gefahr.
Denn in einer Führungs- oder Schlüsselposition reicht fachliche Qualifikation nicht aus. Im Gesundheitswesen entscheidet oft etwas anderes: Kann diese Person unter Druck klar bleiben? Konflikte führen, ohne das Team zu verlieren? Verantwortung tragen, ohne nach oben weiterzureichen und nach unten Druck abzuladen? Menschen halten, entwickeln und schützen? In einem belasteten System Orientierung geben?
Eine falsche Besetzung in einer solchen Position kostet nicht nur Gehalt. Sie kostet Vertrauen, Stabilität, gute Mitarbeitende und Zeit, die niemand hat. Und manchmal kostet sie genau die Menschen, die man eigentlich dringend halten wollte.
Personalgewinnung im Gesundheitswesen ist deshalb nicht nur eine Frage von Reichweite. Nicht nur Anzeigen, Benefits oder schnelle Bewerbungsprozesse. Sondern eine Frage von Passung: fachlich, kulturell, führungsbezogen und in der Belastbarkeit.
Eine Organisation wird nicht dadurch stabiler, dass eine Stelle schnell besetzt wird. Sie wird stabiler, wenn die richtigen Menschen an den richtigen Stellen Verantwortung tragen.
Vielleicht sollten wir deshalb im Gesundheitswesen weniger oft fragen: 'Wie schnell können wir diese Stelle besetzen?' Und öfter: 'Was passiert mit dem System, wenn wir sie falsch besetzen?'
Denn eine unbesetzte Stelle ist ein Problem. Eine falsch besetzte Schlüsselrolle kann zur Ursache vieler neuer Probleme werden.
Marcel Magalhaes Mendes, LL.M.
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